28. März 2026
Interessiert an den Sichtbarkeiten, die oftmals nur am Rand des Stadtbilds auffindbar sind,
ging Centonze auf Spurensuche. In achtsam forschender Praxis entdeckte sie minimale Spuren der Präsenz der am Hafen ansässigen
Migrant*innen rund um den Bahnhof oder auf er Piazza dells Libertá: Verpackungsreste, Anhäufungen, wie etwa „Bonbonpapier“,
die sich ansammeln und unter Beobachtung veränderten.
Es sind Spuren im Stadtbild jener Realitäten, die oftmals wenig
Sichtbarkeit erhalten. Als stille Zeichen verweisen sie auf fortlaufende Durchgänge, Wiederholungen, unsichtbare Existenzen
und legen Zeugins der harten Bedingungen, die bis zu Todesfällen im Hafenareal führen.
A Must Sea
ist damit ein Projekt, das so das Sehen und dessen weitere Bedeutungsebenen hinterfragt. Es entspringt der Erkenntnis und
Überzeugung, dass eine Haltung bewusster Distanziertheit – à la „das geht mich nichts an“ – heute nicht mehr tragbar ist.
Eng verknüpft ist damit Frage nach der gesellschaftlicher Verantwortung des einzelnen: Was muss gesehen werden? Was wird gesehen?
Welche gesellschaftlichen, ethischen und politischen Kontexte hat Sehen und Gesehen werden im öffentlichen Raums.
Die multimediale Installation positioniert sich in diesem Spannungsfeld, ohne direkt zu dokumentieren oder anzuklagen.
Stattdessen arbeitet die Installation mit Bedeutungsverschiebungen und symbolischen Überlagerungen. Ein auf Stoff gedrucktes
Meer wird zum ambivalenten Bild zwischen Nostalgie, Freizeit und Verlust, zwischen Sehnsucht und Trauma. Goldene Wärmedecken
erscheinen als Flagge erweitern die Symbolik von Zugehörigkeit und Grenze: Sie stehen zugleich für Schutz und Ausschluss und
verweisen auf Räume, in denen Grenzen als Konstruktionen von Macht und kapitalistischer Logik sichtbar werden.
Centonzes
Arbeit bewegt sich zwischen Polen, deren Schwellen und Verbindungen – zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, zwischen
kultureller Produktion und Überleben, zwischen Ästhetisierung und Realität.
A Must Sea eröffnet universell relevante
Fragen zur Sichtbarkeit im öffentlichen Raum und Teilhabe an gesellschaftlichen Dynamiken, die über das Beispiel Porto Vecchio
Geltung haben und zu stellen sind.
Die Arbeit fordert es eine Neuausrichtung des Blicks: verweilen, beobachten, nicht
wegsehen.
A Must Sea wurde von der Studentenvereinigung der Universität für angewandte
Kunst Wien unterstützt.BID – Biennale Internazionale Donna
Ausstellungsdauer: 28.03.2026 - 03.05.2026
bidartbiennale.com